BOLTEliest

RTL Buchevent mit Luca Di Fulvio

Am Freitag (19. April) war es endlich so weit: wir fuhren nach Hamburg zum RTL-Buchevent mit Luca Di Fulvio. Eines vorweg: es war super. Aber alles schön der Reihe nach.

Das Event fand in der Speicherstadt in der Kaffeerösterei statt. Um 19.30 Uhr war Einlass, um 20.10 Uhr ging es dann endlich los. Das Ambiente in der Kaffeerösterei war einfach nur perfekt. An keinem anderen Ort hätte man das Gefühl des Buches besser herüber bringen können als hier. Auch Hamburg war die perfekte Stadt dafür, denn wie wir im Gespräch mit Moderator Wolfram Kons erfahren haben, gibt es in Hamburg mehr Brücken als in Venedig (dort spielt ja das Buch „Das Mädchen, das den Himmel berührte„). Kons brachte viel Humor in das Event. Mit Sprüchen wie „Sie wissen warum das nicht Lesung sondern Event heißt? – Weil es eventuell gut wird“ leitete er den Abend ein und sorgte immer wieder für den ein oder anderen Lacher. Warum das Event in der Kaffeerösterei stattfand? Eine weitere Parallele zu Venedig: denn dort auf dem Markusplatz wurde der erste Kaffee der Welt ausgeschenkt.

Bevor es zur eigentlichen Lesung kam, gab es noch ein bißchen Smalltalk mit dem Autor Luca Di Fulvio. Immer schön mit einer Übersetzerin, denn Luca ist Italiener. Wenngleich er sich selbst auch als deutscher Schriftsteller bezeichnet, denn sein neues Buch ist bislang auf italienisch noch nicht mal erschienen. Luca Di Fulvio erscheint wie ein zerstreuter Professor, aber sehr sympathisch. Der Anzug verknittert, das Hemd fast bis zum Bauchnabel aufgeknöpft und die Haare frisch aus der Steckdose. Keine Ähnlichkeit mit dem Autorenportrait im Buch. Doch gerade dieses Erscheinungsbild macht ihn zu einem greifbaren Menschen.

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In den Gesprächen ging es auch um die politische Situation in Italien – ein Thema das sich wohl nicht vermeiden lässt. Doch auch hier zeigte Di Fulvio seine humorvolle Art. Auf die Frage, wie es immer wieder dazu kommt, dass so viele Menschen Berlusconi wählen, erklärte Di Fulvio „Zombies verenden nie“ – mehr muss man dazu gar nicht sagen. Durch dieses Gespräch und die weiteren an diesem Abend haben wir viel über das Buch und die Hintergründe erfahren. Liest man es sehr aufmerksam wird man merken, dass es fast ein Geschichtsbuch ist. Wusstet Ihr das das Wort „Ciao“ aus Venedig stammt und von „Sklave“ abgeleitet ist? Oder wusstet ihr, dass in Venedig die „ponte delle tette“ („Tittenbrücke“) bekannter ist als alle anderen Brücken? Hierbei handelt es sich um eine Brücke, auf der die damaligen Prostituierten Werbung für sich machen durften, also ihre Auslage zeigen konnten. Damals beschwerten sich die Damen über mangelnde Kundschaft und wollten auf sich aufmerksam machen. Bei rund 100.000 Einwohnern in Venedig, von denen ca. 12.000 Prostituierte waren, ist wohl klar das die Damen sich über Kundenmangel beschwerten. Na jedenfalls wurden ihnen dann die ponte delle tette für ihre Marketingmaßnahmen zur Verfügung gestellt.

(Sorry – die Qualität lässt zu wünschen übrig. Brauche dringend eine bessere Kamera. Ein paar bessere Fotos gibt es hier….)

Nach einem Leseteil stellte der Moderator dem Luca einige Fragen, die er schnell und spontan beantworten sollte. Hab mal versucht mitzuschreiben, weil das war sehr interessant:

„Glück ist für mich…“ – „das was gerade in Deutschland passiert“ (Anm. was meint er bloß damit?) 

„Gewalt ist für mich…“ – „… ein natürlicher Instinkt, bei dem viele es nicht schaffen sich rechtzeitig im Zaum zu halten“ 

„Mut ist für mich…“ – „.. die Wahrheit…“ 

„Gerechtigkeit ist für mich…“ – „… sollte es geben; glaube das es im Herzen der Menschen Gerechtigkeit gibt…“ 

„Angst habe ich…“ – „hatte ich jahrelang davor zu leben“ 

„Freundschaft ist für mich „ – „die Fähigkeit zuzuhören“ 

Da hat sich mal jemand Gedanken um das Leben und das Sein gemacht. Kompliment. Sein persönliches Glück basiert laut Luca Di Fulvio auf dem Spruch „Nichts ist unmöglich“. Darum geht es ja auch in seinem ersten Buch „Der Junge, der Träume schenkte“. Um noch einen Lacher zu platzieren kommentierte Luca Di Fulvio mit „das heißt aber nicht, dass ich deutsch kann, wenn ich mal wieder hier bin!“ Das nahm der Moderator gleich mal zum Anlass, eine kleine Deutschstunde einzulegen und so lernte Di Fulvio an diesem Abend „Moin Moin, Hummel Hummel, Mors, Mors“.

Während dieses Gespräches wurden die Gäste super vom Servicepersonal versorgt. Artig, wie es sich gehört, haben wir einen Sekt und Kaffee getrunken. Immerhin sind wie in einer Kaffeerösterei. Doch nachdem sich endlich ein anderer Besucher getraut hat ein Bier zu bestellen, grinsten wir uns nur an: wir hatten einen Freifahrtschein. Also, angenehmer Geruch nach Kaffee, einen interessanten Autor vor der Nase und dazu ein kühles Bier. Besser geht’s nicht.

Dann ging es endlich zum ersten von drei Leseteilen aus dem Buch. Vorgetragen wurde es von Dana Geißler. Eine bekannte (mir bis dato unbekannte) Sprecherin von Hörbüchern und Schauspielerin. Erst dachte ich „mein Gott“ wie emotionslos liest die denn? Doch dann Überraschung: es wurde immer besser. Und nach dem dritten Vortrag konnte ich nur sagen: „Ja, die Dame kann das!“ Es hat viel Spaß gemacht, obwohl ein Mensch, der das Buch noch nicht gelesen hat, gar nicht so richtig Geschmack auf das Buch bekommen hat. Ich hätte andere Stellen vorgelesen. Ich hatte ja meine besser Hälfte mitgenommen und fragte ihn hinterher natürlich, ob er aufgrund dieses Events das Buch nun kaufen würden „Nein“. Klare Antwort.

Lustig fand ich die Zusammensetzung des Publikums. Es waren schätzungsweise 100 Personen da, von denen gerade einmal 11 Männer waren. Nun ja, ist wohl doch eindeutig ein Frauenbuch. Wir überlegten, welche der Männer wohl nur ihrer Frau zu Liebe mitgekommen sind (wie bei mir) und kamen zu dem Schluss: alle. Lustig war´s.

Zum Schluss konnte das Publikum Fragen stellen und man fragte Di Fulvio nach seiner Inspiration für „Der Junge, der Träume schenkte“? Er sagte es war eine befreiende Geschichte, der Beginn eines neuen Lebens, denn bislang hatte Di Fulvio nur düstere Geschichten geschrieben. Der Junge… war eine Wende in seinem Leben und lieferte das Motto „Nichts ist unmöglich“. Daran knüpfte Di Fulvio noch eine Anekdote. 2009 lag er aufgrund eines schweren Infarktes auf der Intensivstation. In seinem Zimmer lag ein weiterer Patient der, sobald sich Di Fulvio zu ihm umdrehte, immer „Ciao“ sagte. Di Fulvio wollte so gar nichts mit dem Typen zu tun haben und drehte sich wieder um. Doch immer wenn er die Seite wechselte, rief der Typ wieder „Ciao“. Irgendwann hielt der Typ das Buch „Der Junge, der Träume schenkte“ hoch und erklärte, dass er von seinem Buchhändler gezwungen wurde, dieses Buch zu kaufen, das er es aber nie lesen wird. Von da an entwickelte sich eine Freundschaft, die bis heute anhält und der Typ hat das Buch immer noch nicht gelesen. Man merkt das man hier einen sehr guten Autor sitzen hat. Er kann wunderbar erzählen, auch wenn ich aufgrund fehlender italienisch Kenntnisse nur erahnen konnte, was er da erzählt und dann umso gespannter der Übersetzerin lauschte.

Ideen für ein neues Buch hat er auch schon. Wir können also gespannt sein. Luca Di Fulvio erklärte, er würde gerne ein Buch aus der Epoche des Humanismus schreiben. Ihm schwebt eine Geschichte eines Kindes eines Fürsten vor…

Rundum war es ein sehr unterhaltsamer Abend. Luca Di Fulvio hat sich hinterher für jeden seiner Fans Zeit genommen. Ein paar persönliche Worte gewechselt und dabei merkte man, er hat eine schnelle Auffassungsgabe, scannt seine Umwelt in Sekunden und findet nette Worte. Ihm wurde es nicht zu viel die ganzen Damen zu herzen, Küsschen links, Küsschen rechts, hinsetzen, signieren, fotografieren lassen, miteinander reden.

Daher bedanke ich mich ganz herzlich bei Luca Di Fulvio für diesen Einblick in sein Leben. Ich danke aber auch dem Verlag Bastei Lübbe, durch den ich überhaupt erst in den Genuss dieses Events kommen konnte.

Gewohnt haben wir im übrigen in Hafencity in den Elbapartements.

P.S. Nach der Lesung ging es natürlich noch auf die Reeperbahn, wann man schon mal da ist… doch darüber berichte ich ein anderes Mal….. 🙂

 

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