BOLTEliest

Lesung mit Marc Elsberg Autor von „Blackout“

Gestern war sie endlich, die Lesung auf die ich mich schon seit Wochen freute: „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von und mit Marc Elsberg in der Buchhandlung Gillmeister Peine. Seit Wochen schon war die Veranstaltung ausverkauft, das Interesse an dem Thema ist wohl groß. Schnell füllten sich die Reihen und selbst eine ganze Schulklasse, die das Buch zu ihrem Unterrichtsstoff machte – wie ich später erfuhr – war anwesend. Und damit komme ich gleich zum ersten Highlight, denn ich finde es absolut bemerkenswert, dass es Lehrer gibt, die nicht Effi Briest u.a. lesen lassen, sondern Literatur von heute. Ich denke, das macht auch den Schülern Spaß und wenn sie so bei der Sache sind, dass ein Haufen Heranwachsender in ihrer Freizeit (!) zu einer Lesung geht, dann haben die Lehrkräfte wirklich alles richtig gemacht.

„Hochspannung pur durch einen Stromausfall“

Das Buch des Österreichers steht schon seit Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste und auch ich habe es schon gelesen (Rezi). Doch es ist nicht nur ein Besteller, sondern wurde auch als Wissensbuch des Jahres 2012 ausgezeichnet. Es geht um einen Stromausfall in Europa, der durch einen Hackerangriff ausgelöst wird. Was passiert wenn der Strom für Wochen ausfällt? Vier Erzählstränge hat Elsberg gewählt, um dieses Szenario zu erläutern. Eindrucksvoll und mit unheimlich viel Hintergrundwissen – was auch in der Lesung deutlich wird – erklärt der Autor was bei einem großflächigen Stromausfall im Krisenzentrum passiert, wie Energieunternehmen agieren, die Menschen leiden und wie die Hacker an diesem Angriff arbeiten.

„Nicht nur Utopie“

Erschreckend ist, dass dieses Szenario nicht bloß Utopie ist. Das erklärt wohl auch die Anwesenheit von Ralf Schürmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Peine, und seinen Kollegen. Sicher will die Truppe noch was lernen :-). Wie Elsberg erläutert, gab es großflächige Stromausfälle in der Vergangenheit schon häufiger. 2005 gab es im Münsterland aufgrund von Eis und Schnee einen größeren Stromausfall. 2006 wurde ein Ozeanriese von der Papenburger Werft aus zum Meer transportiert, dabei wurden Hochspannungsleitungen zum Problem und es gab einen Stromausfall. Teile von Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Österreich, Spanien waren teilweise bis zu 120 Minuten ohne Strom. Die Auswirkungen waren sogar in Marokko spürbar.

Elsberg liest nicht nur spannende Kapitel des Buches vor, sondern erklärt auf sehr charmante Art – mit typisch Wiener Schmäh – eine Vielzahl von Fakten und Begebenheiten rund um das Buch. So erfahren wir, dass Auslöser für diese Geschichte eine elektrische Zahnbürste war. Elsberg war auf der Suche nach einer Idee für einen Thriller. Nun wollte er nicht den x-ten Serienmörder erfinden, der von einem coolen Cop gejagt wird. Eines Tages las er einen Bericht über die Produktion einer elektrischen Zahnbürste. Jedes Einzelteil kommt aus einem anderen Land. Sein Krimineller im Buch sollte also diese Produktionskette sabotieren. Eine erste Idee war geboren. Nun muss man als Krimineller nicht mehr vor Ort sein, um etwas zu sabotieren, erklärt Elsberg, man kann das über das Internet erledigen. Alles ist vernetzt, PCs sind angreifbar, die Welt wird heute über Computer organisiert. Elsberg überlegte wie man dieser Produktionskette schaden könnte und beschloss das sein Krimineller es auf die strategische Infrastruktur abgesehen haben sollte. Welches Detail ist der Hebel für die Produktion? Klar: die Energieversorgung. Ich fand es unheimlich spannend zu erfahren, wie man auf eine solche Idee kommt, die doch irgendwie ganz simpel ist.

Wir erfahren, dass die Recherchen zum Buch mehrere Jahre in Anspruch genommen haben. Der Autor führte zahlreiche Gespräche mit Experten und war selbst überrascht, dass viele Energieunternehmen und andere Einrichtungen eine hohe Bereitschaft zu solchen Gesprächen zeigten. Er merkte wohl schnell, dass er da ein interessantes wie brisantes Thema aufgegriffen hat. Auch nach Veröffentlichung bekam Elsberg Reaktionen, die für einen Thriller eher ungewöhnlich sind. So wurde er u.a. zum „Zukunftsforum Öffentliche Sicherheit“ in die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft eingeladen, referierte und diskutierte das Buch mit der Bundesnetzagentur sowie weiteren Behörden, Verbänden und Unternehmen. In Berlin erfuhr er, dass es in der Bundeshauptstadt bei einem derartigen Stromausfall drei Tage dauern würde, bis allein der letzte Mensch aus steckengebliebenen Fahrstühlen evakuiert werden kann. Absolut unvorstellbar, aber wohl wahr.

Abschließend beruhigt Marc Elsberg die Gäste in der ausverkauften Buchhandlung Gillmeister: „Unsere Stromnetze sind die sichersten der Welt. Es ist kein Buch über eine Katastrophe, es zeigt vielmehr, wie gut es uns geht.“ Angst davor, dass dieses Buch eher ein Sachbuch ist, braucht der Leser ebenfalls nicht zu haben. „Blackout“, dass sind 800 Seiten Spannung pur.

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