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Ich habe es getan – ich war plotten lernen

Erstmal für alle, die nicht mit dem typischen Autorensprech zurecht kommen: Plotten ist die Technik, bei der aus einer Idee für eine Story eine Art Drehbuch für das Buch wird. Man bringt also all seine Ideen zu Papier, sortiert sie und hat einen Fahrplan, an dem man sich nur noch entlang hangeln muss. Klingt irre einfach. Ist es aber nicht. Ich bin nämlich beim Schreiben dieser Typ:

  • ich schrecke hoch (manchmal auch mitten in der Nacht)
  • habe eine Idee für eine Geschichte
  • setze mich an den Laptop (unbedingt mit einer Tasse Kaffee, egal wie spät)
  • schreibe, nein ich hacke wie eine Bekloppte auf den Tasten herum
  • bekomme ohne Probleme 30 bis 40 Seiten zusammen
  • und dann geht es nicht weiter.

Ende. Nein, nicht das Ende des Romans (wäre dann ja auch nur eine Kurzgeschichte). Nein, viel schlimmer. Ich habe dann den Faden verloren, oder habe mich in einer Szene verloren oder meine Leute im Roman wissen plötzlich nicht mehr was sie machen wollten.

Ich komme dann einfach nicht weiter. Völlig chaotisch. Und so haben es schon sechs Romanideen bis in meine Schublade, aber eben nicht darüber hinaus geschafft. Das sollte sich nun ändern. Der Seminartitel „Plotten für Chaoten“ war also schon mal perfekt auf mich zugeschnitten.

Bevor es zum Seminar der Romanmentoren ging, musste jeder Teilnehmer seine Romanidee auf nur einer DIN A4 Seite darstellen. Erste Hürde, die mir schon einiges an Kopfzerbrechen bescherte. Die erste Zusammenfassung meiner Idee war ein wildes Zusammensetzen einer Story um eine Hunderhasserin, die jobtechnisch ins Tierheim muss, dort einen heißen Typen sieht und plötzlich zur Hundeliebhaberin wird (so jetzt mal die absolute Kurzfassung). Der erste Entwurf dafür erstreckte sich auf drei A4 Seiten. Jetzt aber hieß es überlegen: was ist wichtig, damit andere einen Eindruck bekommen, was kann raus? Hat ewig gedauert. Habe fast den Abgabetermin verpennt. Ging dann aber.

Mein Arbeitstitel „… und dann auch noch ein Mops“ – die Hunderasse war aus der Not heraus gewählt:

  1. ich habe Angst vor Hunden, weil ich mal von zwei Schäferhunden angefallen wurde
  2. ich kenne nur den Schäferhund und den Mops

Damit wurde das erste echte Problem deutlich: ich brauchte einen Hund. Wie es der Zufall will war eine Hundetrainerin mit in dem Seminar und so fand ich meinen Hund. Ich kann mir den Namen zwar immer noch nicht merken, also die Rasse, aber das ist sicher nur noch eine Frage der Zeit.

Damit war für mich das Seminar schon recht erfolgreich. Doch die eigentliche Technik des Plottens warf immer noch viele Fragen auf. Alle – durch die Bank weg alle – Fragezeichen wurde aber in den acht Stunden Seminar durch Dozentin Kathrin Lange beseitigt. Kompliment!!!! Ich werde an dieser Stelle nicht weiter auf die Techniken eingehen, denn wer am Schreiben interessiert ist, der sollte unbedingt selbst dieses Seminar besuchen. Der Input, der dabei rüber kommt, ist einfach unbezahlbar.

Soviel verrate ich aber: zunächst wurden in einem kurzweiligen Vortrag rund eine Stunde lang Techniken vorgestellt, mit denen Profis die erste Idee zu einem Roman näher definieren. Dann – große Überraschung – bekamen wir Karteikarten in die Hand gedrückt und sollten unsere Geschichte in Stillarbeit Stück für Stück auf einzelne Karten bringen. Erschrocken war ich. Fassunglos. Ratlos. Planlos. Ein Chaot eben. Aber genau für diese Sorte Mensch war dieses Seminar ja konzipiert. Die Erleuchtung sollte also noch kommen. Ich wartet. Trank einen dieser unheimlich köstlichen Kaffee, ging noch eine Rauchen und je mehr ich mich mit meiner Idee beschäftigte, die gehörten Tipps berücksichtigte, desto mehr nahm meine Geschichte Form an.

Plotten 1
Kathrin Lange erklärt Plottechniken für Chaoten

Es ist wirklich unglaublich, wie das Hirn anfängt die Windungen anzuschmeißen. Unglaublich, welche Ideen plötzlich auftauchen. Erstaunlich, wie viel Input der Austausch mit anderen bringt. Wie leicht es plötzlich scheint. Na und so hat es nach Verdauen der ganzen Informationen am Sonntagabend nur noch rund drei Stunden gebraucht, bis meine Geschichte von Anfang bis Happy End stand. Ich bin begeistert und sowas von motiviert (auch wenn ich mir den Namen der Hunderasse immer noch nicht merken kann).

Ich kann das Seminar nur jedem, der Schreiben möchte, ans Herz legen. Tina Voß sagte in einem Interview mal „Wenn Schreiben ein Handwerk ist, dann kann ich das auch lernen“ – und ja, es ist ein Handwerk, man kann es lernen und wenn man dann auch noch so eine super Truppe hat, wie die unsere, dann ergeben sich daraus auch noch ganz viele inspirierende Kontakte.

Plotten 2
Nein wir sind nicht böse – wir sind einfach nur extrem konzentriert 😉

 

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