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Meine Antwort auf „Teenie Leaks“ von Paul Bühre – was wir wirklich denken, wenn wir mit euch reden wollen

Rezension "Teenie Leaks" von Paul Bühre

Danke Paul für diese schonungslosen Worte – endlich sehen Eltern klar. Oder doch nicht?

Paul Bühre ist 15 und hat einen Spiegel-Bestseller geschrieben: Teenie Leaks – was wir wirklich denken (wenn wir nichts sagen). Und das zu Recht, wie ich finde. Dieses Buch sollte zur Standardliteratur frisch gebackener Eltern gehören und am besten gleich bei der Geburt des geliebten Nachwuchses mitgeliefert werden. Der Titel des Buches sagt ja eigentlich schon alles. Was geht in Köpfen von Pubertierenden vor? Wie tickt die Jugend? Paul beantwortet diese und viele weitere Fragen mit viel Charme, mit Witz und mit einer schonungslosen Wahrheit.

Endlich verstehe ich die Jugend. Zumindest bilde ich mir das ein. Aber ich dachte ja auch vor dem Lesen des Buches, dass ich mit meinen 38 Jahren für meine fast zwölfjährige Tochter eine coole Mutti bin. Klar, es gibt schon viele Reibungspunkte und auch Streit ist nicht auszuschließen, aber ich dachte, eigentlich hab ich das gut im Griff, wenngleich ich auch viele Reaktion des heranwachsenden Nachwuchses in meinem Leben nicht verstehen konnte kann.

Heute kommt meine Rezension daher mal ganz anders daher. Sie heißt:

Was wir wirklich denken, wenn wir mit euch reden wollen

Ich versuche mal meine Rezension heute in Form eines offenen Briefes an Paul zu schreiben. Weil ich denke, so eine Mama sollte sich mal äußern dürfen. Keine Angst. Ich muss gestehen dir, lieber Paul, mehr Recht geben zu müssen, als ich es der männlichen Spezies zuvor jemals getan habe.

Lieber Paul,

erstmal Glücwunsch zu deinem Buch. Ganz großes Kino. Ich schreib ja sonst eher kurze Rezensionen, aber dein Buch hat mich gepackt, mich sehr zum Nachdenken gebracht und irgendwie habe ich auch das Gefühl, ich muss mich da mal ein bisschen rechtfertigen.

Thema: Facebook, WhatsApp und Co.

In einem Kapitel lässt du dich über Teens und soziale Medien aus. Du beschreibst euch als eine Spezies, die uns Erwachsenen eigentlich die liebste sein müsste: ihr grölt nicht herum und kotzt auch nicht die U-Bahn voll. Oh Gott, ja du hast recht. Ihr sitzt herum, Stöpsel in den Ohren, Daumen auf dem Display und ja, mir als Mutter ist das tausendmal lieber als Randale. Doch es gibt ja auch unheimlich viele Alternativen zu pöbeln und kotzen. Vielleicht waren wir Eltern in unserer Kindheit/Jugend ja einfach nur glücklich – auch ohne Facebook und Co., dafür aber mit Telefon mit Wählscheibe – und möchten, dass unser Nachwuchs auch ein bisschen von diesem anderen Glücksgefühl in die Lebenstüte bekommen. Doch wir Erwachsenen vergessen einfach immer wieder, was wir in diesem Alter gemacht haben. Mit 11, 12 – so wie meine Tochter jetzt – bin ich auf dem Rad durch die Siedlung (da hatte auch niemand Angst davor, dass ich gekidnappt werden könnte. „Die bringen dich schnell wieder zurück“ O-Ton meiner Eltern.) gefahren und wir haben Colt Sievers (dieser Stundman-Held aus den 80ern) gespielt. Wir hatten einen Heidenspaß. Aber dann, so mit 13, 14 änderte sich das schlagartig. Zwar gab es immer noch kein Facebook, aber ja, wir haben uns auch lieber um unsere Freunde gekümmert, als um Eltern und Co. Die waren ja auch schon groß und brauchten uns nicht. Wir Eltern denken einfach, es wäre doch schön, wenn ihr euch PERSÖNLICH gegenüberstehen würdet. Miteinander redet. Mal eine Cola trinken geht. Es tut uns in der Seele weh euch zuzusehen, wie ihr allein in euren Zimmern hockt. Wir Eltern meinen, es würde euch gut tun, wenn ihr mit anderen kommunizieren müsst. Weil wir denken, müsst ihr ja später im Studium und im Job auch. Ein Bewerbungsgespräch per WhatsApp? Naja, wer weiß. FAZIT: wir Eltern müssen lernen: Euch geht es gut damit.

Eltern, die Beiträge ihrer Kinder bei Facebook kommentieren? Gibt es die wirklich? Mein Gott, das ist wirklich ein no-go. Unglaublich. Aber mal ganz ehrlich: wir Eltern wollen einfach nur an eurem Leben teilhaben. Uns nicht so ganz überflüssig fühlen. Unser größter Fehler dabei: wir wollen eure Freunde sein. Es fällt uns so unheimlich schwer zu akzeptieren, dass ihr das nicht wollt. Verzeiht uns, wir wären einfach nur so gern euer bester Freund.

Thema: Klamotten der Mädels

Da lässt du dich über die Freizügigkeit der Mädels aus und das ihr Jungs ja gar nicht wisst wo ihr hingucken sollt. Und ob ihr überhaupt hingucken sollt? Ob die Mädels das wollen? Kleiner Tipp: klar, wieso würde man sich denn sonst so zur Schau stellen? Also, alles ganz cool.

Den Mädls sei an dieser Stelle mal gesagt: schaut euch im Spiegel an, einmal mehr als sonst. Es steht nicht jeder Trend jedem. Das ist auch ganz wichtig und völlig okay. Trag was euch gefällt und vor allem passt. Hungern für ein paar Kilo weniger? Fuck. Die im TV und in den Zeitschriften sind eh nur gephotoshoppt. MACHT EUCH DAS ENDLICH KLAR!!!

Thema: Drogen

JA, wir beten es herunter. Wir wollen euch beschützen. Es gibt keine echten Superhelden, die zur Stelle sind, wenn es brenzlig wird. Es reicht uns nicht, euch nur einmal vor Drogen zu warnen. Wir haben einfach das unbändige Bedürfnis euch zu beschützen. Wir selbst wurden schon durch DIE KINDER VOM BAHNHOF ZOO geschockt. Und auch wenn ihr es euch nicht vorstellen könnt, wir wissen, dass wir euch vertrauen sollten. Das tun wir auch. Und doch bleibt die Angst. Sorry.

Thema: Comuputerspiele

Das ist für uns Eltern gleichzusetzen mit euren Facebook und WhatsApp-Aktivitäten. Es tut uns einfach in der Seele weh, wenn ihr vor einem Bildschirm hockt und nicht eine Sekunde das Bedürfnis habt, die Welt da draußen zu erleben. Aber eigentlich, als wenn wir Eltern mal ganz ehrlich zu uns selbst sind, dann sind wir selbst schuld. Wie ein SEK-Sondereinsatzkommando umschwirren wir euch. Erklären euch wie böse die Welt da draußen ist. Haben Angst euch über viel befahrene Straßen gehen zu lassen, warnen vor bösen Männern, die euch mit Schokolade ködern. Ja, den ganzen Mist gibt es. Kein Wunder, dass ihr nicht vor die Tür wollt.

Aber es ist beruhigend zu wissen, dass ihr selbst einsehen könnt – eine gewisse Geduld der Eltern vorausgesetzt – das ein Spiel langweilig wird, nicht der einzige Sinn des Lebens ist, und das es noch andere Dinge gibt, die im Leben interessant sind. Und wenn wir Eltern dann noch mal ehrlich sind: waren es bei uns hüpfende Frösche auf dem C64 oder Tetris auf dem Gameboy. Waren wir anders? Nein. Ist aus uns trotzdem was geworden? Ja.

Thema: Eltern sind cool

Dies ist eines der Themen, bei dem ich dir absolut recht geben muss. Wenn ihr klein seid, macht ihr alles wie die Eltern. Ihr immitiert sie. Klar, ihr kennt das nicht anders. Ihr findet uns toll. Alles was wir machen ist für euch toll und neu. Und wir Eltern finden das auch toll. Sind begeistert, was für einen gelungenen Nachwuchs wir doch da in die Welt gesetzt haben. Ein perfektes Abbild von uns. Und dann kommt der Punkt, an dem ihr merkt, dass sich das Universum nicht um die Eltern dreht. Das es da noch andere gibt, vor allem: andere Meinungen. Und das ist genau auch der Punkt, an dem wir Eltern nicht alles mitbekommen. Schon gar nicht, dass ihr eure eigene Meinung bildet und euer eigenes Leben selbst in die Hand nehmt. Dabei erziehen wir euch doch dementsprechend. Also, wir versuchen es. Die meisten von uns (hoffe ich). Wir wollen das ihr eigenständig denkende Menschen werdet. Euch zu Dingen eine Meinung bildet und auch hinter dieser steht. Und dann wieder sind wir todtraurig darüber, dass es so ist, wie es ist. Das wir nicht mehr der Mittelpunkt eures Lebens sind. Wir wollen uns nicht eingestehen, dass es da draußen noch mehr für euch gibt. Dinge, die einen anderen Stellenwert haben.

Mein Lieblingssatz in deinem Buch steht auf Seite 151 „Wenn man uns das Seriengucken verbietet, ist das ungefähr so, als würde man euch das Zeitunglesen verbieten, und ihr könntet im Büro plötzlich nicht mehr mitreden.“ – Okay, ich habe verstanden. Keine Verbote mehr.

Und auf Seite 155 legst du gleich nach. Da heißt es „Also: Am besten versucht ihr, euer Kind so zu akzeptieren, wie es ist, sonst zerbricht es an euren Anforderungen.“

Seite 160 bringt es dann auf den Punkt. Da geht es darum, dass Eltern sich Erziehungsratgeber kaufen, um zu lernen, wie sie mit ihrem eigenen Nachwuchs umgehen müssen. Du schreibst „Wenn ihr ein Problem mit mir habt, dann sprecht doch mit mir und versucht nicht, die Antwort in einem Buch zu bekommen.“ – Recht hast du. Aber deine zehn Gebot für den Umgang mit Teenies, die hast du doch wohl mit einem Augenzwinkern geschrieben. Also, das hoffe ich. Denn wir sind ja nicht eure Angestellten.  

In diesem Sinne, vielen Dank für dieses Buch und an alle Eltern und dienjenigen, die noch Eltern werden wollen: unbedingt kaufen!!!!

  • Broschiert: 192 Seiten
  • Verlag: Ullstein Hardcover (15. Januar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3550081014
  • ISBN-13: 978-3550081019
  • Preis broschiert: 16,99 Euro
  • Preis eBook: 14,99 Euro
  • Preis Hörbuch Download: 11,13 Euro
  • Preis Audio CD: 12,99 Euro
  • Leseprobe

Paul Bühre im Interview

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